Darf man im Namen einer Religion Tiere leiden lassen?

Wer dazu Nein sagt, begibt sich –  wie bei allem, was mit religiösen Gefühlen zu tun hat – aufs Glatteis. Die Einführung des schweizerischen Schächtverbots auf Grund einer Volksinitiative 1893 hatte antisemitische Hintergründe. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass das betäubungslose Schächten mit unnötigen Schmerzen für das Tier verbunden ist. Moderne Betäubungsmethoden standen zur Zeit der Einführung des Schächtens noch nicht zur Verfügung. Doch heute sind rituelle Schlachtungen ein anachronistisches und unnötiges Leiden verursachendes Prozedere. Das darf – ja muss – man hart kritisieren. Doch nur auf Juden und Moslems zu zeigen und dabei auszublenden, dass auch Christen sehr unzimperlich mit Tieren umgehen (z.B. gerade bei der Betäubung, siehe Beitrag „Amtlich bewilligte Tierquälerei in deutschen Schlachthöfen?“ vom Mai 2016), löst das Problem auch nicht.

 

Heilige Tierquälerei?

Jetzt rennen sie wieder durch Pamplona. Beim jährlichen Sanfermines Fest werden an acht Tagen je sechs Stiere durch die Gassen der Altstadt getrieben – getrieben von Hunderten von Testosteron getriebenen jungen Männern. Mitleid mit den Verletzten unter ihnen ist nicht angesagt, schliesslich tun sie es freiwillig und werden erst noch professionell verarztet. Ganz im Gegensatz zu den verletzten und letztlich getöteten Stieren, die keine Wahl haben. Was sagt eigentlich die Kirche zu diesem unwürdigen Fest zu Ehren eines Heiligen?

Tierquälerei: ein Problem der unteren Gesellschaftsschichten?

Wenn in den Medien über Tierquälerei berichtet wird, stehen oft „Randgruppen“ am Pranger: der überforderte Bauer, der seine Tiere vernachlässigt, die alte Frau, die aus Mitleid zu viele Katzen aufnimmt und der alles über den Kopf wächst. Selten hört man Fragen zum Tierwohl bei den Vergnügungen der oberen Gesellschaftsschichten, beim Polosport, bei Pferderennen oder bei der Grosswildjagd.

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Wofür sind Nachbarländer nützlich?

Unter anderem, um zu schlachten, was oder wie man es zu Hause nicht darf. Weil Pferde in den USA nicht geschlachtet werden dürfen, werden sie auf langen Transporten nach Kanada oder Mexiko gebracht. Und weil in der Schweiz ein Schächtverbot gilt, wird Halal- oder koscheres Fleisch meist aus Frankreich importiert.

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Wann ist Mann ein Mann?

Wenn er Fleisch isst – viel Fleisch. Dieses Vorurteil sitzt tief. Auch, dass man es einfach braucht, um fit und stark zu sein. Doch es gibt sogar Sportler und Sportlerinnen, die das Gegenteil beweisen. In der Schweiz zum Beispiel der Eishockey-Profi Andreas Hänni oder Natascha Badmann, sechsfache Gewinnerin des Ironman Hawaii. Sie und viele andere brachten und bringen ihre Spitzenleistungen im Sport ganz ohne Fleisch, viele sogar als Veganer.

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Dichtestress?

Rund 1.5 Millionen Schweine gibt es in der Schweiz auf 7’045 Betrieben. Während die kleinen zunehmend verschwinden, gibt es immer mehr Grossbetriebe (+ 90%  seit 2000) mit über 800 Schweinen. In der Schweiz dürfen maximal 1’500 Mastschweine oder 2’000 Ferkel pro Betrieb gehalten werden. In Deutschland hingegen sind Betriebe mit bis zu 10’000 Tieren keine Seltenheit. Dort gibt es auch keine Obergrenze. Small is beautiful scheint definitiv vorbei zu sein.

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Darf man Kinder fleischlos ernähren?

Man darf. Es gibt keine gesundheitlichen Probleme und sie können später frei entscheiden, ob sie Fleisch essen wollen oder nicht. Die Kindheit ist für Werte prägend. Kinder sollten nicht nur Respekt lernen vor allem was lebt, sie dürfen und sollten auch früh wissen, woher das hübsch eingepackte Steak, der Hamburger und die Wurst auf dem Grill kommen.

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Tierisch = negativ?

Tierisch meint ja meist triebgesteuert, instinktgetrieben, hemmungslos, roh, unmoralisch oder unkultiviert. Dieses negative Abgrenzen von Tieren, Speziesismus genannt, hat Parallelen mit dem Sexismus und Rassismus. Auch dort sind „die anderen“ die Minderwertigen.

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Mutter und Kind gleich nach der Geburt trennen?

Bei Menschen undenkbar – in der „normalen“ Milchkuhhaltung Alltag, leider auch auf Biohöfen. Lässt man die Kälber länger bei ihren Müttern, wird die Trennung immer schwieriger. Und schliesslich ist die Milch der Mutter für die Menschen bestimmt, nicht für den eigenen Nachwuchs. Dieser wird ja, insbesondere bei Stierkälbern, ohnehin bald geschlachtet.

P.S. Der Mensch ist das einzige Säugetier, das noch als Erwachsener Milch trinkt – und sogar artfremde.

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Na und?

„Katze zu Tode gequält!“ Die Reaktion vieler Menschen bei solchen Meldungen: Tierquälerei! Grauenhaft! Muss streng bestraft werden!

„160’000 Schweine allein heute allein in Deutschland geschlachtet.“ Die Reaktion derselben Menschen: Na und? Es sind eben Schweine, die sind nun mal zum Essen da. Empathie für Nutztiere? Fehlanzeige.

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