Oktober2015

Sklaverei abgeschafft?

Im Gegenteil. Menschliche Sklaverei – früher breit akzeptiert – gehört glücklicherweise der Vergangenheit an, auch wenn es noch viele sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse gibt. Tiere werden als Arbeitssklaven immer mehr durch Maschinen ersetzt. Doch mit der Massentierhaltung wurde eine ganz neue Dimension von Sklaverei geschaffen, qualitativ und quantitativ. Nicht die Arbeit der Sklaven wollen wir jetzt, sondern ihren Körper, ihr Leben. Milliarden von Nutztieren vegetieren unter schlimmsten Bedingungen bis zu ihrem frühen gewaltsamen Tod dahin. Wie lange wird es dauern, bis diese übelste aller Sklavereien geächtet und abgeschafft wird?

Am Dienstag: Gibt es blöde Kühe, dumme Gänse, blöde Affen, dumme Esel und Dreckschweine?

Fleisch und Umweltschutz – geht das zusammen?

Früher ging das wohl noch. Die Weltbevölkerung war kleiner, der Fleischkonsum moderat, und das Vieh frass vor allem Futter vom eigenen Hof. 1950 betrug die weltweite Fleischproduktion 44 Millionen Tonnen. Heute sind es 300 Millionen Tonnen, fast 7x mehr. Die Produktion von Rindfleisch braucht 10x mehr Wasser als die Produktion von Weizen. Das Vieh frisst 40% des gesamten Getreides und ist so klimaschädigend wie der gesamte Verkehr. Weltweit werden 70% des Landwirtschaftslands für die Viehwirtschaft verwendet. Damit nicht genug: die Fleischproduktion soll von heute 300 Millionen Tonnen bis zur Mitte dieses Jahrhunderts auf fast eine halbe Milliarde Tonnen steigen. Damit ist die Frage wohl beantwortet.

Am Freitag: Sklaverei abgeschafft?

 

Milliarden von Opfern und keine Täter?

Der wahre Fleischskandal heisst industrielle Massentierhaltung. Für den gigantischen und weltweit stark steigenden Fleischkonsum werden empfindungsfähige Lebewesen – wir nennen sie Nutztiere – qualvoll „produziert“ und getötet. Für den menschlichen (was für ein Wort in diesem Zusammenhang) Verzehr wurden 2014 gemäss Fleischatlas (http://www.bund.net/fleischatlas) rund 65 Milliarden Tiere geschlachtet. Das sind 178 Millionen pro Tag, 7,4 Millionen pro Stunde, 123’000 pro Minute und über 2’000 pro Sekunde. In den USA schlachtet allein der Grosskonzern Tyson Foods 42 Millionen Tiere – pro Woche. In diesen Zahlen sind die Fische und Meerestiere noch nicht enthalten. Und vergessen wir nicht die Tiere, die wir ebenfalls töten, aber nicht, um sie zu essen: die Pelztiere, die Versuchstiere oder die Wegwerfküken in der Eierproduktion. Täter scheint es in diesem täglichen Wahnsinn nicht zu geben. Alles ganz normal?

Am Dienstag: Fleisch und Umweltschutz: geht das zusammen?

Was ist ein Fleischskandal?

Sicher, Pferde- als Rindfleisch zu verkaufen oder Gammelfleisch auf den Markt zu bringen, ist Betrug. Und Verfalldaten zu manipulieren ebenfalls. Doch das ist nicht der wahre Fleischskandal. Der hat ganz andere Dimensionen.

Am Freitag: Milliarden von Opfern und keine Täter?

Darf man Mitleid mit Tieren haben, wenn es gerade jetzt so viel menschliches Leid gibt?

Ganz konkret: Darf man Mitleid mit Tieren haben, die in Kriegsgebieten oder bei Naturkatastrophen verstümmelt oder getötet werden? Die zurückgelassen werden, wenn Menschen flüchten? Sicher. Menschlichkeit gilt auch für Tiere. Und natürlich schliesst Mitleid mit Tieren Mitgefühl mit leidenden Menschen und ihre Unterstützung  nicht aus. Im Gegenteil, Mitgefühl kann schwer nur auf Menschen oder nur auf Tiere  begrenzt werden. Und wenn es für den Einzelnen oft schwierig ist, leidenden Menschen direkt zu helfen, so ist es vergleichsweise einfach, Tierleid sofort zu mindern. Beim Essen nämlich.

Am Dienstag: Was ist ein Fleischskandal?

Mutterkühe oder Wölfe – wer ist gefährlicher?

Mutterkühe verletzen in der Schweiz 3 bis 5 Menschen pro Jahr. 2015 gab es in Graubünden sogar einen Todesfall. Beim Wolf sind keine Angriffe auf Menschen bekannt. In Italien, wo einige Hundert Wölfe leben, sind seit 1900 keine Angriffe auf Menschen dokumentiert.

Am Freitag: Darf man Mitleid mit Tieren haben, wenn es gerade jetzt so viel menschliches Leid gibt?

Ist der Hund ein Haustier oder ein Nutztier?

Je nach Land und Kultur. Während Hunde bei uns heute als Familienmitglieder betrachtet und demzufolge nicht gegessen werden, haben andere Völker keine Hemmungen, Hunde zu züchten und zu töten, um sie zu essen oder ihre Haut zu Leder zu verarbeiten. Natürlich darf man sich darüber empören. Aber ehrlicherweise nur, wenn man genau so viel Mitleid mit den Schweinen und Hühnern aus heimischen Tierfabriken hat, die als Cervelats oder Nuggets auf unseren Tellern landen.

Am Dienstag: Mutterkühe oder Wölfe – Wer ist gefährlicher?

Darf man wild auf Wild sein?

Nun, echtes Wild ist wenigstens gesundes Fleisch von Tieren, die bis zum Tod ein freies (aber nicht unbedingt stressfreies) Leben führten. Doch Vorsicht: für so viel nachgefragtes Wild reicht die Beute der Schweizer Jäger nicht (und viele essen es lieber selber). Das meiste Wild stammt aus ausländischen Farmen. Was vielleicht immer noch tiergerechter ist als die Aufzucht in der Massentierhaltung in Hallen. Und was die Zahlen der hierzulande erlegten Tiere betrifft: Laut Eidg. Jagdstatistik wurden 2014 insgesamt 68’988 Rothirsche, Rehe, Gämsen und Wildschweine erlegt. Ziemlich bescheidene Zahlen, verglichen mit den 150’000 in der Schweiz geschlachteten Nutztieren – nicht pro Jahr, sondern pro Tag. Sich über die Jagd aufregen und gleichzeitig Fleisch aus Massentierhaltung kaufen, passt nicht gut zusammen.

Am Freitag: Ist der Hund ein Haustier oder ein Nutztier?

Wovon lebt ein Bergbauer in einer Veganergesellschaft ?

Gute Frage. Wenn auf Grund des Klimas kein Ackerbau möglich ist, sondern nur Graswirtschaft, kann nur das Rind mit seinem komplexen Verdauungssystem aus Gras und Heu Eiweiss – also Fleisch und Milch – produzieren. Kommt dazu, dass ein Bergbauer, der seine Kühe mit Namen ruft, bestimmt keine Massentierhaltung betreibt. Und schliesslich ist auch der Landschaftsschutz und die damit verbundene Artenvielfalt ein Wert. Wenn Fleisch und Milchprodukte nur auf diese Weise produziert würden, gäbe es weniger davon (aber immer noch genug) und viel weniger Tierleid auf der Welt.

Am Dienstag: Darf man wild auf Wild sein?