November2015

Sind alle Tiere vor dem Gesetz gleich?

Der Zweck des Schweizerischen Tierschutzgesetzes von 2005 ist gemäss Artikel 1, die Würde und das Wohlergehen des Tieres zu schützen. So weit, so gut. Doch bereits in Artikel 4, lit.b kommt der Hammer: Der Mensch muss zwar für das Wohlergehen des Tieres sorgen, jedoch nur „soweit es der Verwendungszweck“ zulässt. Will heissen: Unsere Hunde und Katzen sollen es gut haben. Und die Nutztiere? Für sie heiligt der Zweck die Mittel. Für die Eintagsküken zum Beispiel gibt es überhaupt keinen Verwendungszweck. Also lebend rein in den Shredder. Pech gehabt mit der Würde.

Am Dienstag: Ist Fressen und Gefressenwerden das Natürlichste der Welt?

2 von 45 Millionen. Was soll das?

Übermorgen 26. November feiern die Amerikaner wieder ihr Erntedankfest Thanksgiving. Auch dieses Jahr wird der Präsident traditionsgemäss zwei ausgewählte Truthähne begnadigen. Etwa 45 Millionen Leidensgenossen haben jedoch weniger Glück und landen allein an diesem Festtag nach einem kurzen, qualvollen Leben auf amerikanischen Tellern – überzüchtete, kranke Tiere, die kaum mehr stehen, geschweige denn fliegen könen. Soll mit diesem symbolischen Akt stellvertretend alles begangene Unrecht gut gemacht werden? Ziemlich scheinheilig.

P.S. Die vom Präsidenten begnadigten Truthähne leben in der Regel gerade mal noch ein halbes Jahr.

Am Freitag: Sind alle Tiere vor dem Gesetz gleich?

Schnäppchen Lederjacke ergattert. Bravo!?

Leider nein. Die verbreitete Meinung, Leder sei nur ein Nebenprodukt der Fleischproduktion, ist falsch. Rund eine Milliarde Tiere werden jährlich für die Lederproduktion geschlachtet. Zu den schrecklichsten Tierquälereien gehört die Lederproduktion in Bangladesh, wohin auch Massen von indischen Kühen unter furchtbaren Bedingungen transportiert und dort geschlachtet werden. Die abstossenden Details erspare ich euch hier. Wer sich zum Thema Leder aus Asien informieren will, soll sich den ZDF Film „Gift auf unserer Haut“ ansehen: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2000960/Gift-auf-unserer-Haut#/beitrag/video/2000960/Gift-auf-unserer-Haut

Am Dienstag: 2 von 45 Millionen. Was soll das?

Soll man eingesperrte Wildtiere im Zoo anschauen?

Man darf den wissenschaftlich geführten Zoos sicher zu Gute halten, dass heute viel Wert auf artgerechte Haltung gelegt wird: Mehr Platz für weniger Tiere, Beschäftigungsmöglichkeiten und natürlichere Gehege. Ein riesiger Unterschied zu den früheren Tierschauen und vielen immer noch fragwürdigen Zoos. Trotzdem müssen sich Zoos auch unbequeme Fragen gefallen lassen, etwa zum Schicksal überzähliger Tiere aus der Zucht oder zu den Tiertransporten zwischen Zoos. Auch hier gilt: man darf Mitleid mit Zootieren haben, aber nur, wenn man die eigenen Essgewohnheiten kritisch hinterfragt.

Am Freitag: Schnäppchen Lederjacke ergattert. Bravo!?

Warum gibt es immer mehr „Totgeburten“ in Schweizer Ställen?

Über 10’000 Kälber der Milchrassen Red Holstein und Holstein kamen 2014 tot zur Welt oder starben innert 3 Tagen. Tierschützer vermuten, dass die Bauern Stierkälber ihrer Milchkühe töten oder absichtlich sterben lassen, um sich die unrentable Aufzucht zu ersparen. Nach geltendem Tierschutzgesetz dürfen Kälber frühestens nach 7 Tagen geschlachtet werden. Nun orten selbst die Fleisch- und Milchwirtschaft und der Bauernverband ein „ethisches Problem“ (oder eher ein latentes Imageproblem?). Ab November 2015 sollen die Jungtiere mindestens 21 Tage auf dem Hof leben dürfen, wo sie geboren wurden, bevor sie in die Mast müssen. Neue Gesetze will die Branche aber nicht.

Am Dienstag: Soll man eingesperrte Wildtiere im Zoo anschauen?

P.S. Lust auf Poulet nach diesem Beitrag? Vorher dieses Video anschauen: http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/video-mastkueken-brueterei#utm_source=nl15-45&utm_medium=email&utm_campaign=w-nl

Wie lange lebt ein „Wurstkalb“?

Stierkälber von Hochleistungs-Milchrassen wie Red Holstein sind unrentabel: Sie setzen zu wenig und zu wenig schnell Fleisch an. Und weil ihr Fleisch für Steaks weniger geeignet ist und die Schweizer immer weniger Kalbfleisch essen, werden sie als „Wurstkälber“ im Alter von 40-50 Tagen geschlachtet. Falls sie nicht noch früher sterben. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

Am Freitag: Warum gibt es immer mehr Totgeburten in Schweizer Ställen?

Fisch ist eigentlich kein Fleisch, oder?

Stimmt offenbar, darum darf Fisch an katholischen Fastentagen serviert werden. Der Klerus ging früher noch weiter und erlaubte an fleischfreien Tagen auch den Genuss von Säugetieren wie Fischotter und Biber – weil auch sie vorwiegend im Wasser leben. Musterbeispiele, wie kreativ der Mensch mit lästigen Vorschriften umgeht.

Am Dienstag: Wie lange lebt ein „Wurstkalb“?

Gibt es blöde Kühe, dumme Gänse, blöde Affen, dumme Esel und Dreckschweine?

Wenn wir jemanden so betiteln, weil er uns nicht passt, schieben wir ihn über die Grenze zu den offenbar minderwertigen Tieren ab. Und die haben das überhaupt nicht verdient. Auch wenn es nicht böse gemeint ist und automatisch rüberkommt, vielleicht sollten wir beim nächsten Mal doch besser blöde Zwetschge oder alter Macho sagen (oder denken). Immerhin, es gibt auch Komplimente, die sich in der Tierwelt bedienen, wie toller Hirsch oder süsse Maus…

Am Freitag: Fisch ist eigentlich kein Fleisch, oder?