Juli2016

Ein trauriges Herz für ein trauriges Tier?

Als „schlimmste Auswüchse der tierexperimentellen Forschung“ und „ein Verbrechen an Mensch und Tier“ bezeichnet die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche die in den Medien als Riesenerfolg dargestellte Meldung, dass in den USA ein Affe zweieinhalb Jahre mit einem Schweineherzen überlebt hat. Tierversuche mit dem Ziel, Tierorgane auf Menschen zu verpflanzen, sind mit ungeheurem Leid für die Tiere und einem unkalkulierbaren Risiko sowie falschen Hoffnungen für die Patienten verbunden.

Darf man im Namen einer Religion Tiere leiden lassen?

Wer dazu Nein sagt, begibt sich –  wie bei allem, was mit religiösen Gefühlen zu tun hat – aufs Glatteis. Die Einführung des schweizerischen Schächtverbots auf Grund einer Volksinitiative 1893 hatte antisemitische Hintergründe. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass das betäubungslose Schächten mit unnötigen Schmerzen für das Tier verbunden ist. Moderne Betäubungsmethoden standen zur Zeit der Einführung des Schächtens noch nicht zur Verfügung. Doch heute sind rituelle Schlachtungen ein anachronistisches und unnötiges Leiden verursachendes Prozedere. Das darf – ja muss – man hart kritisieren. Doch nur auf Juden und Moslems zu zeigen und dabei auszublenden, dass auch Christen sehr unzimperlich mit Tieren umgehen (z.B. gerade bei der Betäubung, siehe Beitrag „Amtlich bewilligte Tierquälerei in deutschen Schlachthöfen?“ vom Mai 2016), löst das Problem auch nicht.

 

Heilige Tierquälerei?

Jetzt rennen sie wieder durch Pamplona. Beim jährlichen Sanfermines Fest werden an acht Tagen je sechs Stiere durch die Gassen der Altstadt getrieben – getrieben von Hunderten von Testosteron getriebenen jungen Männern. Mitleid mit den Verletzten unter ihnen ist nicht angesagt, schliesslich tun sie es freiwillig und werden erst noch professionell verarztet. Ganz im Gegensatz zu den verletzten und letztlich getöteten Stieren, die keine Wahl haben. Was sagt eigentlich die Kirche zu diesem unwürdigen Fest zu Ehren eines Heiligen?

Tierquälerei: ein Problem der unteren Gesellschaftsschichten?

Wenn in den Medien über Tierquälerei berichtet wird, stehen oft „Randgruppen“ am Pranger: der überforderte Bauer, der seine Tiere vernachlässigt, die alte Frau, die aus Mitleid zu viele Katzen aufnimmt und der alles über den Kopf wächst. Selten hört man Fragen zum Tierwohl bei den Vergnügungen der oberen Gesellschaftsschichten, beim Polosport, bei Pferderennen oder bei der Grosswildjagd.

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