September2016

Warum essen wir Tiere, obwohl wir Menschen sind?

Eigentlich essen wir sie nicht, obwohl wir Menschen sind, sondern weil wir auch Tiere sind, meinte der österreichische Autor Christoph Wagner. Immerhin delegieren die Fleischfresser unter den anderen Tieren das Töten nicht, sondern tun es mit ihren eigenen Zähnen und Klauen. Und in der Regel, weil sie die Beute schlicht fürs eigene Überleben brauchen. Das ist für uns Menschen – zumindest in unseren westlichen Gesellschaften – nicht der Fall. Wir können darüber frei entscheiden.

Gesundes Poulet ? Krankes System!

Die Schweiz, bekannt für den Export von Uhren, Maschinen, Schokolade und Käse exportiert auch weniger vornehme Güter, zum Beispiel Hühnermist. Allein aus dem Kanton St.Gallen, einem mittelgrossen Schweizer Kanton, wurden 2015 über 600 Tonnen dieser stinkenden Fracht ausser Landes gebracht – per LKW bis in die östlichen Bundesländer Deutschlands. Da derzeit in der Ostschweiz etwa alle zwei Monate ein neuer Pouletmastbetrieb entsteht, wird dieser unappetitliche Export noch zunehmen. Und weil nichts über den freien Warenhandel geht, wird das Futter für die „Schweizer“ Poulets weitgehend importiert. Wie krank kann ein System eigentlich sein? http://www.bafu.admin.ch/landwirtschaft/15452/16687/16697/index.html?lang=de

Kühe mit Namen: Haus- oder Nutztiere?

Haus- oder Nutztiere? In der traditionellen, nicht industriellen Tierhaltung sind sie beides. Auch bei uns wohnte die Bauernfamilie früher meist unter einem Dach mit ihren Tieren. Die Nutztiere waren gleichzeitig Haustiere. Der Kontakt mit ihnen war eng, aber nicht so eng, dass man sie nicht schlachten konnte. Der Tod – von Menschen und Tieren – war (und ist immer noch in vielen Teilen der Welt) im Alltag viel präsenter. „Heimtiere“ im heutigen Sinn gab es kaum. Selbst der Hund und die Katze hatten ihre Aufgabe auf dem Hof. In der industriellen Massentierhaltung sind die Tiere nur noch Nummern. Das hat viel mit der Würde des Tieres zu tun. Und mit der Würde des Menschen. Ist ein menschenwürdiger Job in einer Grossmästerei oder am Fliessband in einem Schlachthof denkbar?

Pferde als Kanonenfutter?

Die deutsche Wehrmacht: eine vollmotorisierte Armee? Fehlanzeige. 1944 standen gemäss Bundesarchiv 930’000 Pferde im Kriegsdienst. Insgesamt wurden im Zweiten Weltkrieg allein auf deutscher Seite 2’800’000 Pferde eingesetzt. Und die Verluste waren hoch: 1944 starben monatlich rund 30’000 Pferde. Im Ersten Weltkrieg war es noch schlimmer: Rund 8 Millionen Pferde wurden allein im Dienste der Britischen Armee erschossen, vergast oder zu Tode geschunden. Beim Hyde Park in London gibt es ein Mahnmal für die Tiere, die in den Kriegen für die Menschen das Leben opfern mussten. „They had no choice“ ist auf der Mauer zu lesen. Unnötig zu erwähnen, dass auch Millionen von Menschen keine Wahl hatten.