Oktober2016

Wie schmeckt Barry?

In China (und anderen fernöstlichen Ländern) wird bekanntlich Hundefleisch gegessen, wenn auch nur von einer kleinen Minderheit der Bevölkerung. Und in Yulin in der Provinz Guanxi findet jährlich ein grosses Hundefleisch-Fest statt, wo jeweils rund 10’000 Hunde brutal getötet und anschliessend verzehrt werden. Beliebt bei Züchtern sind neuerdings anscheinend auch Bernhardiner. Weil sie gutmütig sind und die Rasse für ihre grossen Würfe und ihre schnell wachsenden Welpen bekannt ist, erklärt Hal Herzog in seinem Buch „Wir streicheln und wir essen sie.“ Tierquälerei darf nie und nirgends toleriert werden. Doch was das Essen von Hunden betrifft: Wer bei der hiesigen Massentierhaltung wegschaut, das Töten delegiert und munter Fleisch von „Nutztieren“ isst: Bitte jetzt nicht in die Falle tappen und nur auf die Chinesen schimpfen.

http://www.infosperber.ch/Artikel/Gesellschaft/China-Tierschutzer-protestieren-gegen-Hundefleisch-Yulin

Menschliche Sünden aufs Tier abwälzen?

Am Vorabend des Versöhnungsfestes Jom Kippur schwingen orthodoxe Juden ein lebendes Huhn über dem Kopf. Dabei sollen die Sünden des vergangenen Jahres auf das Huhn übertragen werden. Das Sühneopfer, das sich „Kappores schlagen“ oder „Kapparot“ nennt, kann auch mit einem Fisch oder mit Geld praktiziert werden. Beim dreimaligen Hühnerschwenken sagt man: „Das ist mein Austausch. Das ist mein Stellvertreter. Das ist meine Sühne. Dieses Huhn geht dem Tode entgegen, und ich gehe einem guten, langen Leben in Frieden entgegen.“

Nun gibt es zweifellos viel schlimmere Dinge, die der Mensch den Tieren im Namen von Religionen antut. Man denke nur an das rituelle Schächten. Trotzdem: Ist es nicht anmassend, wenn nicht sogar billig, menschliche Unzulänglichkeiten auf ein unschuldiges Tier abwälzen zu wollen, um sich dann wieder gut zu fühlen (und das Tier anschliessend zu töten)? In welchem Jahrhundert leben wir eigentlich?

Insekten essen, das Gelbe vom Ei?

Ernährungswissenschaftler wollen uns Insekten als Eiweiss-Lieferanten der Zukunft schmackhaft machen. Da es sich bei den grossen anvisierten Mengen wohl kaum um Wildfang handelt, werden sie in grossem Stil gezüchtet. Eine weitere Art der Massentierhaltung, die uns zwar weniger Mitgefühl abringt als bei Säugetieren oder Hühnern, aber vielleicht wieder neue ökologische Probleme beschert. Es gibt genügend pflanzliche Eiweiss-Lieferanten. Muss es denn auf Teufel komm raus einfach Fleisch sein?

Den eigenen Hund aufessen?

Darf man Tiere töten? Manchmal ist es sogar ein Akt der Gnade, ein schwer krankes oder verletztes Tier von seinen Qualen zu erlösen. In der Schweiz ist es aber auch erlaubt, den eigenen gesunden Hund zu töten, sofern es tierschutzkonform und nicht mutwillig gemacht wird. Nicht nur das, man darf den Hund dann auch noch ganz legal essen. Ob man das gut findet oder nicht: Wer das tut (es sind nur wenige) punktet unter den Fleischessern mindestens in einer Hinsicht: er delegiert das Töten nicht.