Menschliche Sünden aufs Tier abwälzen?

Am Vorabend des Versöhnungsfestes Jom Kippur schwingen orthodoxe Juden ein lebendes Huhn über dem Kopf. Dabei sollen die Sünden des vergangenen Jahres auf das Huhn übertragen werden. Das Sühneopfer, das sich „Kappores schlagen“ oder „Kapparot“ nennt, kann auch mit einem Fisch oder mit Geld praktiziert werden. Beim dreimaligen Hühnerschwenken sagt man: „Das ist mein Austausch. Das ist mein Stellvertreter. Das ist meine Sühne. Dieses Huhn geht dem Tode entgegen, und ich gehe einem guten, langen Leben in Frieden entgegen.“

Nun gibt es zweifellos viel schlimmere Dinge, die der Mensch den Tieren im Namen von Religionen antut. Man denke nur an das rituelle Schächten. Trotzdem: Ist es nicht anmassend, wenn nicht sogar billig, menschliche Unzulänglichkeiten auf ein unschuldiges Tier abwälzen zu wollen, um sich dann wieder gut zu fühlen (und das Tier anschliessend zu töten)? In welchem Jahrhundert leben wir eigentlich?

One thought on “Menschliche Sünden aufs Tier abwälzen?”

  1. Su sagt:

    Wenn schon Religion, dürfte diese doch nur eines beinhalten: Absoluter Respekt vor der Schöpfung, d.h. Natur, Mensch, Tiere. Töten und Zerstören hat für mich gar nichts mit Religion zu tun.

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