Kamikaze-Tauben?

Noch mehr Unerfreuliches aus der Szene der Hobbytaubenzüchter. Gemäss Tages-Anzeiger vom 12. Januar 2017 muss sich ein 36-jähriger Kosovare aus dem Zürcher Unterland demnächst vor dem Bezirksgericht Bülach verantworten. Es handelt sich landesweit um den zweiten bekannten Fall eines Falkenhassers, der eruiert werden konnte. Die Staatsanwältin wirft dem Mann vor, im März 2016 einer Taube ein hoch toxisches Pflanzenschutzmittel auf den Nacken- und Schulterbereich aufgetragen zu haben. Danach liess er die Taube fliegen und hoffte, dass ein Greifvogel sie schlagen würde. Laut Anklageschrift konnte die Taube aber eingefangen werden, bevor sie Beute eines Wanderfalken, Habichts oder Sperbers wurde. Damit die Ködertaube nicht wieder in den Taubenschlag zurückkehrte, hatte der Beschuldigte den Ein- und Ausflugsschaft des Taubenschlags verschlossen. Die Staatsanwältin verlangt für den Angeklagten eine bedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten wegen Tierquälerei. Zudem soll er eine Busse von 1500 Franken und die Untersuchungskosten von 8000 Franken bezahlen. Im vergangenen Juli war vom Bezirksgericht Dielsdorf in einem ähnlichen Fall bereits ein 42-jähriger Mann wegen Tierquälerei zu einer bedingten Strafe von elf Monaten und einer Busse von 4000 Franken verurteilt worden.

Die beiden Taubenzüchter gehören zu einer speziellen Gruppe. Diese Männer, meist Leute aus dem Balkan, züchten nicht Brieftauben, sondern Flugtippler oder Hochflieger. Das sind Ausdauerflieger, die nicht weite Distanzen fliegen, sondern in Sichtweite ihres ­heimatlichen Taubenschlages in der Luft bleiben. Die Züchter schliessen Wetten auf die Tiere ab: Die Taube, die am längsten in der Luft bleibt, gewinnt. Der Weltrekord soll 22 Stunden be­tragen. Im Fall des verurteilten Züchters war seine Taube, eine Serbische Hochfliegertaube, nach neuneinhalb Stunden von einem Greifvogel geschlagen worden. In einschlägigen Internetforen von Züchtern und Haltern von Serbischen Hochfliegern wird unverhohlen zum «Krieg zur Ausrottung» der Greifvögel durch so genannte „Kamikaze-Tauben“aufgerufen.

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