März2017

Schwimmen bis zur Verzweiflung?

Wie kann ein Medikament zur Behandlung von chronisch neuropathischem Schmerz am Tier getestet werden? Beim Menschen geht diese Art Schmerz mit Überempfindlichkeit, Angst und Depression einher, die Gemütslage des Patienten spielt also eine wichtige Rolle. Da diese bei Tieren nicht abgefragt werden kann, muss auf Tests zum Angst- und Depressionsverhalten zurückgegriffen werden. Das geschieht unter anderem im sogenannten „forcierten Schwimmtest“. Zunächst wird einer Ratte durch einen chirurgischen Eingriff an einem Hinterbein ein chronischer Schmerz zugefügt. Dann wird sie in einen mit Wasser gefüllten Plexiglaszylinder von 40 cm Höhe und 18 cm Durchmesser gesetzt. Das Tier schwimmt verzweifelt, bis es merkt, dass es kein Entkommen gibt. Lässt sich die Ratte früh treiben, gilt sie als depressiv. Sind solche Tierversuche nicht schon fast ein Grund, selber depressiv verstimmt zu werden?

http://www.schwimmen-bis-zur-verzweiflung.de/versuche.html#schwimmen

Killerbestie Hai?

Wie viele Menschenleben hat die Killerbestie Hai jährlich auf dem Gewissen? Tausende? Hunderte? Nicht ganz. Je nach Quelle sind es durchschnittlich zwischen drei und elf. OK, vielleicht gibt es eine Dunkelziffer, weil gewisse Länder keine korrekten Statistiken führen. Jedenfalls ist die Hysterie um tödliche Hai-Attacken masslos übertrieben und das Medienecho in keinem Verhältnis zu anderen Todesursachen. 178 Millionen täglich geschlachtete „Nutztiere“ sind keine Meldung wert, nicht mal im Sommerloch. Eine einzige Haiattacke auf einen unvorsichtigen Schwimmer hingegen schon.

Auch andere Tiere mit Zähnen, Klauen oder Gift jagen uns Angst ein. Obwohl unter den Tieren Mücken, Schnecken und Würmer viel gefährlicher sind. Doch vielleicht am tödlichsten sind unsere eigenen Erfindungen: Der Strassenverkehr fordert weltweit über 3’400 Tote. Nicht pro Jahr, sondern täglich (1.25 Millionen Tote jährlich). Warum haben die meisten Menschen trotzdem keine Angst, in ein Auto zu steigen? Vielleicht weil wir denken, wir hätten Technik im Griff, im Gegensatz zur Natur?

https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/brennpunkte_nt/article147762711/Weltweit-1-25-Millionen-Verkehrstote-pro-Jahr.html

http://www.sharkproject.org/haiothek/index.php?site=menschen_2

http://hai.ch/Hai-Infos/Unfaelle/index.html

https://www.welt.de/wissenschaft/gallery131831471/Das-sind-die-Topkiller-unter-den-Tieren.html

Massentierhaltung und Sklaverei – wie lange bis zum Verbot?

Engagierte Bürgerbewegungen kämpften in England rund vierzig Jahre lang gegen die breit akzeptierte Sklaverei, bis sie 1807 im ganzen britischen Empire verboten wurde. Weltweit dauerte es dann allerdings nochmals siebzig Jahre. Das ist eigentlich gar nicht so lange. Trotzdem arbeiten noch heute viel zu viele Menschen unter sklavenähnlichen Bedingungen. Und die „Nutztiere“? Die allermeisten halten wir heute unter jämmerlichen Bedingungen als Sklaven, und auch das ist leider immer noch breit akzeptiert. Dazu kommt, dass die Tiere ein grosses Handicap haben: Sie können sich ihre Rechte nicht selber erkämpfen und sind allein auf Menschen angewiesen, die sich stellvertretend für sie einsetzen. Die gute Nachricht: Im Gegensatz zu früher sind die Sensibilisierungs- und Mobilisierungsmöglichkeiten ungleich effizienter. Trotzdem wird es bis zur weltweiten Ächtung der Tier-Sklavenhaltung ein harter und steiniger Weg sein. Es sei denn, man vertraue wie der deutsche Philosoph Richard David Precht in seinem neuen Buch „Tiere denken“ auf die Macht von Wissenschaft, Technik und Ökonomie: Er glaubt, dass es in zwanzig Jahren in Deutschland keine Massentierhaltung mehr gibt. Dank in-vitro Fleisch, das kostengünstiger produziert wird.

Weniger, dafür dicker?

Die Zahl der in Deutschland geschlachteten Tiere nahm 2016 gegenüber dem Vorjahr um fast 27 Millionen auf 753 Millionen ab (-3.5%). Das sagen die vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Wie ist das möglich, wenn die Schlachtmenge in Tonnen auf rekordhohem Niveau von 8.25 Millionen Tonnen stagnierte (+0.1%)?

Bei den Schweinen, welche die grösste Gewichtsmenge lieferten, ging die Zahl der geschlachteten Tiere um 63’400 auf 59.3 Millionen leicht zurück. Dies obwohl die Menge mit 5.57 Millionen Tonnen praktisch gleich blieb. Warum? Weil das durchschnittliche Schlachtgewicht pro Tier stieg. Auch die Masthühner waren durchschnittlich etwas schwerer als im Vorjahr. Und weil die „Produktion“ von Hühnerfleisch um 1.5% auf  1.53 Millionen Tonnen sank, ging die Zahl der geschlachteten Hühner um 4.3% oder 26.7 Millionen Tiere zurück.

Was bedeuten diese Zahlen für Kritiker der Massentierhaltung, für Menschen mit Empathie überhaupt? 27 Millionen weniger getötete Tiere, das sind immerhin 27’000’000 empfindsame Lebewesen weniger, die für uns leiden und sterben mussten. Ob das Leben für ihre dickeren Artgenossen dafür noch schwieriger war? Alles in allem doch eine gute Nachricht. Mehr Details: https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/schlachtzahlen-2016w

Im Zoo strafbar, im Zirkus erlaubt?

Eine Schande für die angeblich beim Tierschutz so fortschrittliche Schweiz: Den Wanderzirkussen ist erlaubt, was jedem Zoo eine Anzeige wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz einbrächte. Seit einem Jahr dürfen die Mindestmasse für Innen- und Aussengehege von Wildtieren gemäss Tierschutzverordnung um 30% unterschritten werden, sofern die Tiere in der Manege regelmässig ausgebildet oder vorgeführt werden. Skandalös, was die Schweiz als „tierschutzkonform“ durchgehen lässt. Nicht genug, dass Grosskatzen wie Löwen allabendlich ihre Show zum Ergötzen des Publikums absolvieren müssen. Sogar das elementare Recht auf ausreichenden Platz wird ihnen verwehrt. Und das in einem Land, wo der erste Artikel des Tierschutzgesetzes lautet: „Zweck dieses Gesetzes ist es, die Würde und das Wohlergehen des Tieres zu schützen.“