Mobile Tierquälerei?

Cyborgs (Cybernetic Organisms) sind Mischwesen aus lebendigem Organismus und Maschine. Menschen mit Herzschrittmachern, künstlichen Gliedmassen oder komplizierten Prothesen müssten also eigentlich als Cyborgs bezeichnet werden. „Ungefähr 10 Prozent der aktuellen Bevölkerung der USA sind vermutlich im technischen Sinn „Cyborgs““, schreibt N. Katherine Hayles im Cyborg Handbook.

Was auf diesem Gebiet heute bereits mit Tieren gemacht wird, zeigt das Beispiel der Cyborg-Kakerlake des Entwicklers Blackyard Brains. Aus einer Schabe wird ein Cyborg-Insekt, das per Smartphone gesteuert wird. Ein Anleitungsvideo zeigt, wie das funktioniert. Blackyard Brains liefert sowohl den Bastler-Baukasten wie auch die Schaben. Nachdem ein Tier zur Betäubung für etwa fünf Minuten in eiskaltes Wasser getaucht wurde, reibt man den Panzer am Kopf des Insekts mit einem Schleifpapier auf. Dort wird ein elektronisches Bauteil samt 4 Gramm schwerem Chip, Batterie und Drähten mit Kleber fixiert. Schliesslich werden die Drähte noch mit den Fühlern der Schabe verbunden, dem Körperteil, das sie braucht, um navigieren zu können. Auf diese Weise wird der Chip mit dem Nerv verbunden.

Frühestens nach zwei Stunden ist der „RoboRoach“ bereit zum Einsatz. Über den Draht werden elektrische Impulse an den Nerv versendet, die der Schabe vorgaukeln, sie wäre an einem Hindernis angestossen. Dadurch wechselt das Tier die Richtung. Der Nutzer bestimmt dabei die Frequenz, die Dauer der Stimulation und die Impulsbreite selbst. Übertragen werden diese Impulse per Smartphone-App. Ein Wischer auf dem Touchscreen reicht, um das Tier in die gewünschte Richtung zu bewegen.

Ein reines Spielzeug soll das System von Backyard Brains allerdings nicht sein. Mit der Zeit gewöhnt sich die Schabe an die Impulse, bis sie nach zwei bis sieben Tagen nicht mehr wirken. Und darin soll der Lerneffekt des Projekts liegen: Der Nutzer soll spielerisch die Funktionsweise des Gehirns kennen lernen. Wie schnell gewöhnt es sich an bestimmte Reize? Adaptiert das Insekt sein Verhalten schneller, wenn man eine bestimmte Frequenz verwendet? Daher betonen die Entwickler in ihrem Video auch, die Simulationstechnik sei der ähnlich, die auch für die Behandlung von Parkinson verwendet werde. Erschwingliche Projekte wie die „RoboRoach“ sollen das Interesse der breiten Masse an Neurowissenschaften wecken. „Es ist ein Bildungs-Baukasten, kein Spielzeug. Wir wollen, dass die Leute etwas über unser biologisches System lernen“, betonte Greg Gage, Mitgründer von Backyard Brains, gegenüber der „Time“. Wohin das alles führt, kann man sich heute kaum ausmalen. Zumal es natürlich nicht bei manipulierten Insekten bleiben wird. So sollen amerikanische Wissenschaftler seit rund zehn Jahren an einem Hai-Cyborg experimentieren. Lebende Haie sollen mit einem Rechner im Gehirn ferngesteuert werden, damit sie feindliche Gewässer ausspionieren können. Und bald sind bestimmt die Menschen dran.

http://www.focus.de/digital/multimedia/mobile-tierquaelerei-die-cyborg-kakerlake-mit-smartphone-steuerung_id_3694243.html

https://backyardbrains.com/products/roboroachBackpack

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *