Nutztiere

Hoffnung für die Nutztiere aus dem Silicon Valley?

Nicht nur Laborfleisch macht derzeit Schlagzeilen, auch rein pflanzliche Hamburger sollen endlich wie Fleisch schmecken und bald für eine breite Kundschaft erschwinglich sein. Mehr als ein Dutzend Startups arbeiten in Kalifornien an Alternativen zur Fleischproduktion. Den Durchbruch zum echten Fleischgeschmack schaffte das Unternehmen „Impossible Foods“ durch die Entdeckung der Substanz „Häme“, die aus Knötchen der Sojawurzel gewonnen wird. Der „unmögliche Burger“ schmeckt und riecht wie Rindfleisch. Testesser geben ihm sieben bis neun von zehn möglichen Punkten. Nächstes Jahr soll er in mindestens 1’000 Restaurants serviert werden und auch im Detailhandel erhältlich sein. Er wird 75% weniger Wasser und 95% weniger Land von Rindern benötigen. Die Klimagase liegen 87% tiefer. Er enthält garantiert weder Antibiotika noch Hormone oder Cholesterin. Und er wird millionenfaches Tierleid verhindern.

Das ist erst der Anfang, die Entwicklung geht weiter: „Ich kann mit grosser Sicherheit sagen, dass wir in den kommenden fünf Jahren auch Fisch, Milch, Käse, Eier und andere Fleischsorten auf pflanzlicher Basis herstellen können“, sagt Pat Brown, der Chef von „Impossible Foods“.

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/standardburger-ohne-rind/story/24096833

Mit diesen hoffnungsvollen Aussichten verabschiedet sich TIERLOS und macht mal Pause. Herzlichen Dank euch allen für euer Interesse, euer Mitgefühl und euer Engagement für die Rechte der Tiere.

Was soll diese Alibi-Übung?

Die Universität Zürich und die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) wollen wieder Versuche mit Rhesusaffen durchführen. Es handelt sich um Grundlagenforschung zur Hirnfunktion der Tiere, woraus allenfalls Hinweise für die Behandlung neuropsychiatrischer Störungen beim Menschen gewonnen werden könnten. Den Tieren werden Elektroden im Gehirn implantiert und eine Kopfhalterung am Schädel angebracht, die der Fixierung im sogenannten Primatenstuhl dient. Mit fixiertem Kopf werden die Affen dann gezwungen, jeden Tag während mehrerer Stunden Aufgaben an einem Bildschirm lösen – und dies über Monate bis Jahre hinweg. Für die richtige Lösung der Aufgaben erhalten die Tiere ein paar Tropfen Flüssigkeit. Um sie zur Kooperation am Experiment zu bewegen, werden sie vor dem Experiment konsequent durstig gehalten. Am Ende des Versuchs werden die Tiere getötet.

Das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich hat diese schwerstbelastenden Versuche am 5. April 2017 definitiv bewilligt. Das Gericht stützt sich auf die Empfehlung der Tierversuchskommission, die das Gesuch der Universität und der ETH mit 7:4 Stimmen für bewilligungsfähig hielt. Kein Wunder, denn sieben der elf Kommissionsmitglieder werden von den Uni- und ETH Rektoraten vorgeschlagen. Nur drei Mitglieder der Kommission werden von Tierschutzorganisationen gestellt. Dieses krasse Ungleichgewicht wird noch dadurch verschärft, dass die drei Tierschutz-Kommissionsmitglieder das Urteil nicht an die höchste Instanz, das Bundesgericht, weiterziehen können. Dazu berechtigt wären nur die Forschenden selber sowie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Sieht so ein faires Verfahren aus?

https://www.tierimrecht.org/de/news/newsmeldungen-2017/2017-04-20-tir-kritisiert-bewilligung-fur-umstrittene-primatenversuche-scharf/

Bärenfolter für die TCM (Traditionelle Chinesische Medizin)?

Mehr als 10‘000 Bären – hauptsächlich Kragenbären – vegetieren in China auf so genannten „Bärengallefarmen“ in engen Drahtkäfigen. Diese sind meist so klein, dass die Tiere sich weder umdrehen noch aufrecht stehen können. Manchmal werden schon Bärenjunge in Käfige gesperrt, die sie bis zu ihrem Tod nie wieder verlassen können. Bis zu 30 Jahren leben die Bären dann auf diese Weise eingepfercht. Die meisten von ihnen sind ausgehungert und dehydriert. Sie leiden unter verschiedenen Krankheiten und bösartigen Tumoren, an denen sie letztendlich sterben. Mittels Katheter wird den Bären regelmässig Galle abgezapft, die in der traditionellen chinesischen Medizin eingesetzt wird. Obwohl es längst wirksame und kostengünstige pflanzliche und synthetische Alternativen gibt, werden die grausamen Praktiken weiter angewandt.
https://www.animalsasia.org/de/our-work/end-bear-bile-farming/

Massentierhaltung und Sklaverei – wie lange bis zum Verbot?

Engagierte Bürgerbewegungen kämpften in England rund vierzig Jahre lang gegen die breit akzeptierte Sklaverei, bis sie 1807 im ganzen britischen Empire verboten wurde. Weltweit dauerte es dann allerdings nochmals siebzig Jahre. Das ist eigentlich gar nicht so lange. Trotzdem arbeiten noch heute viel zu viele Menschen unter sklavenähnlichen Bedingungen. Und die „Nutztiere“? Die allermeisten halten wir heute unter jämmerlichen Bedingungen als Sklaven, und auch das ist leider immer noch breit akzeptiert. Dazu kommt, dass die Tiere ein grosses Handicap haben: Sie können sich ihre Rechte nicht selber erkämpfen und sind allein auf Menschen angewiesen, die sich stellvertretend für sie einsetzen. Die gute Nachricht: Im Gegensatz zu früher sind die Sensibilisierungs- und Mobilisierungsmöglichkeiten ungleich effizienter. Trotzdem wird es bis zur weltweiten Ächtung der Tier-Sklavenhaltung ein harter und steiniger Weg sein. Es sei denn, man vertraue wie der deutsche Philosoph Richard David Precht in seinem neuen Buch „Tiere denken“ auf die Macht von Wissenschaft, Technik und Ökonomie: Er glaubt, dass es in zwanzig Jahren in Deutschland keine Massentierhaltung mehr gibt. Dank in-vitro Fleisch, das kostengünstiger produziert wird.

Weniger, dafür dicker?

Die Zahl der in Deutschland geschlachteten Tiere nahm 2016 gegenüber dem Vorjahr um fast 27 Millionen auf 753 Millionen ab (-3.5%). Das sagen die vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Wie ist das möglich, wenn die Schlachtmenge in Tonnen auf rekordhohem Niveau von 8.25 Millionen Tonnen stagnierte (+0.1%)?

Bei den Schweinen, welche die grösste Gewichtsmenge lieferten, ging die Zahl der geschlachteten Tiere um 63’400 auf 59.3 Millionen leicht zurück. Dies obwohl die Menge mit 5.57 Millionen Tonnen praktisch gleich blieb. Warum? Weil das durchschnittliche Schlachtgewicht pro Tier stieg. Auch die Masthühner waren durchschnittlich etwas schwerer als im Vorjahr. Und weil die „Produktion“ von Hühnerfleisch um 1.5% auf  1.53 Millionen Tonnen sank, ging die Zahl der geschlachteten Hühner um 4.3% oder 26.7 Millionen Tiere zurück.

Was bedeuten diese Zahlen für Kritiker der Massentierhaltung, für Menschen mit Empathie überhaupt? 27 Millionen weniger getötete Tiere, das sind immerhin 27’000’000 empfindsame Lebewesen weniger, die für uns leiden und sterben mussten. Ob das Leben für ihre dickeren Artgenossen dafür noch schwieriger war? Alles in allem doch eine gute Nachricht. Mehr Details: https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/schlachtzahlen-2016w

Pferdequälerei für die Schweineindustrie?

Blutfarmen: Ein Millionengeschäft wird von wenigen Profiteuren im Verborgenen praktiziert. Mit brutalen Methoden wird in Südamerika tragenden Stuten Blut abgezapft. Aufnahmen von Tierschützern mit versteckter Kamera zeigen allein von einer Farm rund 100 Szenen von geprügelten Pferden. Um die Tiere in die Blutentnahme-Boxen zu bewegen, schlagen ihnen die Farmarbeiter mit Holzscheiten und Elektro-Peitschen auf den Kopf. Ihre Fohlen werden nach 140 Tagen Trächtigkeit vorzeitig von Hand abgetrieben, damit die Stuten schnell wieder trächtig werden und als Blutlieferanten weiter genutzt werden können. Aus dem Blut wird das Hormon PMSG (Pregnant mare serum gonadotropin) gewonnen, das in der Ferkelproduktion der Schweineindustrie eingesetzt wird. PMSG macht es möglich, dass Muttersauen wenige Tage nach dem Absetzen der Ferkel wieder besamt werden können. Ein weiterer Vorteil für die Schweinemäster: Mit PMSG kann die Gleichzeitigkeit der Ferkelproduktion gesteuert werden. Alle Muttersauen werden gleichzeitig trächtig und gebären auch gleichzeitig. Kein Tierschutzgesetz schützt die Stuten in Südamerika vor dem Blutgeschäft. Immerhin scheint in Europa nun endlich Bewegung in das skandalöse Geschäft zu kommen. Nach jahrelangem Lobbying von Tierschutzorganisationen und Abwiegeln durch die Behörden forderte das Europäische Parlament im Frühling 2016, den Import von PMSG aus Qualproduktion zu verbieten. Die europäische Kommission allerdings, die dem Antrag des Europäischen Parlaments zustimmen und ein Importverbot von PMSG durchsetzen müsste, hat bisher nicht reagiert.

http://www.euractiv.de/section/landwirtschaft-und-ernahrung/news/schweinezucht-das-brutale-geschaeft-mit-pferdeblut/

Bio schützt vor Qualen nicht?

Im Frühjahr 2016 veröffentlichte das Bayerische Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) eine Studie über Bayerische Schlachthäuser. http://www.sueddeutsche.de/bayern/exklusiv-wie-in-bayerischen-schlachthoefen-schweine-gequaelt-werden-1.3285117

Bei jedem vierten elektrisch betäubten Schwein in den untersuchten zwanzig grossen bayerischen Schlachthöfen kam es zu „Problemen“. Im Zeitraum der Studie (Januar 2014 bis Januar 2015) erfüllte zum Beispiel der Bio-Schlachtbetrieb Chiemgauer Naturfleisch nicht einmal die Hälfte der gesetzlichen Vorgaben zur Betäubung. Die Betäubungstiefe der Schweine sei „oftmals nicht ausreichend“ gewesen, mehrere Tiere hätten „auf Grund von elektrischen Stromschlägen Lautäußerungen“ von sich gegeben, ein Anzeichen für starke Schmerzen.

Auf der Homepage der Chiemgauer Naturfleisch liest man unter „Philosophie“:

„Die ökologische Landwirtschaft ist die zeitgemässe Form, die Fruchtbarkeit der Erde mit einer vielfältigen Pflanzengemeinschaft zu erhalten und einen ehrfurchtsvollen Umgang mit den anvertrauten Tieren zu pflegen.“ http://www.chiemgauer-naturfleisch.de/index.php?id=15

Gilt das auch noch am letzten Tag im kurzen Leben eines Bio-Schweins?

Tierisch vollautomatisch?

Das 1971 gegründete deutsche Familien-Unternehmen Tönnies Lebensmittel „befasst sich im Kerngeschäft mit der Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung von Schweinen, Sauen und Rindern.“ Gemäss Firmenwebsite wurden 2015 in der Tönnies-Gruppe 18.2 Millionen Schweine geschlachtet, davon 16.2 Millionen in Deutschland. Das sind über 80’000 Stück pro Arbeitstag. Nach eigenen Angaben hat Tönnies „durch die Einführung der vollautomatischen Zerlegung einen Quantensprung in der Qualitätsfleischgewinnung realisiert.“

Das vollautomatische Zerlegen eines soeben getöteten Lebewesens wird so kühl und distanziert geschildert, wie eine Produktionsfirma umgekehrt den Zusammenbau einer Maschine durch Roboter beschreiben würde:

Voraussetzung für die vollautomatische Zerlegung ist eine exakte Vermessung. Per Datentransfer aus der Schlachtung liegt in der automatischen Zerlegung ein kompletter Datensatz jedes einzelnen Schweines vor. In Verbindung mit der Vermessung der einzelnen Sektionen des Schlachttierkörpers werden die gewonnenen Daten zur Prozessoptimierung genutzt. Durch eine objektive Bewertung der einzelnen Teilstücke wird die Schnittführung bei der Zerlegung optimiert. Hocheffiziente Zerlegeergebnisse unter einzigartigen Hygienebedingungen sind das Resultat.“

Quelle: http://www.toennies.de/ueber-toennies/divisionen/division-meat.html (Zugriff am 23.1.2017)

Und was sagte Clemens Tönnies, Miteigentümer der Unternehmensgruppe Tönnies Lebensmittel zu seinem Verhältnis zu den Tieren? (im Interview mit Matthias Benirschke in den Aachener Nachrichten vom 9.4.2013 (zitiert aus Murken Christa, Animal Turn, S. 163)

Ich achte die Kreatur. Mit mir kriegt jeder Ärger, der auf der Jagd einen Hund schlägt.“

 

Sport ist Mord?

Gibt es eine Sportart, bei der im Wettkampf regelmässig zehn bis fünfzig Prozent der Teilnehmer sterben? Im Brieftauben-“Sport“ ist es genau so. Bis zur Hälfte der Wettkampfteilnehmer bleiben auf der Strecke. Allein in der kleinen Schweiz „produzieren“ die Sporttaubenzüchter jährlich 25’000 Jungvögel. Nur schon die Haltung der Tauben ist oft tierschutzwidrig, wie der Schweizer Tierschutz STS schreibt. Bei den Wettkämpfen wird es aber richtig gemein. Um die Tauben zum Siegen zu motivieren, hat sich der Mensch die perfide „Witwermethode“ ausgedacht: Die in lebenslanger Einehe lebenden Taubenpaare werden getrennt. Dann wird der eine Partner zusammen mit anderen Leidensgenossen in engen Transportern bis zu 600 Kilometer weit weg entführt. Von hier soll er möglichst schnell nach Hause fliegen und seinem Besitzer Ruhm und Ehre bringen. Dass dabei nur ein Bruchteil der Tauben überhaupt ankommt, wird ganz selbstverständlich einkalkuliert. Viele der im Schlag zurückgelassenen Tauben warten vergeblich auf die Rückkehr ihres Partners. Er – oder sie – ist an Erschöpfung gestorben oder von einem Greifvogel geschlagen worden. „Sport“ ist also doch Mord.

http://www.tierschutz.com/media/pc2016/030516.html

Hunderttausende Schweine lebend verbrüht?

Gemäss Bundesdrucksache 17/10021 (http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/100/1710021.pdf) von 2012 lag die „Fehlbetäubungsrate“ bei der Schweineschlachtung in Deutschland bei der handgeführten elektrischen Betäubung zwischen 10.9% und 12.5%, bei automatischen Anlagen bei 3.3%. Nebst Fehlbetäubungen gibt es noch „Fehlentblutungen“ (Wiedererwachen der Tiere auf der Nachentblutestrecke). Diese Rate lag zwischen 0.4% und 2.5%. Dazu besagte Bundesdrucksache: Die erforderliche Qualität des Entblutestiches ist stark personenabhängig….. Bei sehr hohen Schlachtleistungen bleiben für den Entblutestich nur wenige Sekunden Zeit, ein Nachstechen ist kaum möglich.“ Insgesamt „zeigten durchschnittlich 0,1 bis 1 Prozent der Tiere, abhängig von Betäubungsverfahren und Personal, auf der Nachentblutestrecke unmittelbar vor der Brühung noch Reaktionen, welche auf Empfindungs- und Wahrnehmungsvermögen hindeuten.“

Was auf Amtsdeutsch ziemlich harmlos tönt, bedeutet nichts anderes, als dass allein in Deutschland jährlich Hunderttausende von Schweinen bei Bewusstsein und schwer traumatisiert erst beim Verbrühen qualvoll sterben.

Alle Menschen wünschen sich einen schmerzfreien, friedlichen Tod. Keinem der jährlich über 58 Millionen in Deutschland geschlachteten Schweine (Fleischatlas 2014) ist das vergönnt. Und für die Hunderttausenden von ihnen, deren Schicksal es ist, einem unqualifizierten oder nachlässigen Schlachter unters Messer zu kommen, ist es der blanke Horror.