Nutztiere

Lieber nicht alles genau wissen wollen?

Der Walliser Nationalrat Yannick Buttet verlangte in einer parlamentarischen Initiative eine obligatorische Deklaration für Halal Fleisch, das in die Schweiz importiert wird (in der Schweiz ist das betäubungslose Schächten von Säugetieren verboten). Die Wirtschaftskommission des Ständerats lehnt die Intitiative jedoch ab. Die gegenwärtige Gesetzgebung reiche aus und es bestehe derzeit kein Handlungsbedarf. Offenbar brauchen die Konsumenten gar nicht so genau zu wissen, wie qualvoll das Tier auf ihrem Teller sterben musste.

Betäubung vor dem Töten ist bei der rituellen Schächtung nicht erlaubt. Aber auch dort, wo betäubt wird, funktioniert sie oft ungenügend. Umso besser funktioniert die Betäubung der menschlichen Empathie gegenüber Tieren, verursacht durch Religionsvorschriften, die Fleischindustrie oder Gleichgültigkeit.

https://www.lid.ch/agronews/detail/news/staenderats-kommission-gegen-deklarations-pflicht-von-halal-fleisch/

Insekten essen, das Gelbe vom Ei?

Ernährungswissenschaftler wollen uns Insekten als Eiweiss-Lieferanten der Zukunft schmackhaft machen. Da es sich bei den grossen anvisierten Mengen wohl kaum um Wildfang handelt, werden sie in grossem Stil gezüchtet. Eine weitere Art der Massentierhaltung, die uns zwar weniger Mitgefühl abringt als bei Säugetieren oder Hühnern, aber vielleicht wieder neue ökologische Probleme beschert. Es gibt genügend pflanzliche Eiweiss-Lieferanten. Muss es denn auf Teufel komm raus einfach Fleisch sein?

Wieso grillieren Männer öfter Fleisch als Frauen?

Weil der Mann früher die Jagdbeute heimbrachte? Weil Männer lieber Fleisch essen als Frauen? Weil man Bier dazu trinkt? Weil es relativ simpel ist? Weil es eine der letzten Bastionen ist, welche der Mann hält und die ihm nicht von der Frau streitig gemacht wird?

Wer soll nun was glauben?

Kürzlich hat Agroscope, die landwirtschaftliche Forschungsanstalt des Bundes, eine Studie veröffentlicht. Ein Kilogramm Fleisch aus Weidemast soll eine schlechtere Ökobilanz aufweisen als ein Kilogramm Fleisch aus Grossviehmast. Knapp zwei Jahre vorher kam eine andere Studie zum gegenteiligen Schluss. Begründung der neuen Studie: Weiderinder erhalten weniger Kraftfutter und brauchen deshalb zwanzig Monate bis zur Schlachtung –fünf Monate mehr als Tiere aus Grossviehmast. Sie fressen deshalb mehr und produzieren entsprechend mehr Methan. Wie bitte? Welche Schlüsse soll der Konsument daraus ziehen? Ist es Zufall, dass der Fleischproduzent Micarna die Studie in Auftrag gegeben hat? Und dass das Tierwohl dabei vollständig ausgeblendet wird?

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/das-bild-der-gluecklichen-rinder-erhaelt-einen-kratzer/story/26523274

Himmeltraurig!

Diesmal keine Frage, sondern eine Anklage. Als „Die Hölle auf Erden“ beschreiben der Tierschutzbund Zürich und seine Partnerorganisation Animal Welfare Foundation die Situation der Schlachttiere an der bulgarisch-türkischen Grenze. Über 1,7 Millionen Schafe, Rinder und Ziegen wurden zwischen 2010 und 2015 aus der EU in die Türkei exportiert – notabene in ein Land, das sich weigert, das „Europäische Übereinkommen über den Schutz von Tieren beim internationalen Transport“ zu ratifizieren. Für 2016 wird mit einem weiteren Anstieg der Exporte gerechnet. 70% der kontrollierten Tiertransporte verstossen gegen die geltende EU Tiertransportverordnung. Und die EU schaut dem Skandal tatenlos zu und blockiert Verbesserungen. Weil das Geschäft zu gut ist. Eine Riesenschande für Europa.

http://tierschutzbund-zuerich.ch/

Ausgerechnet China?

Ausgerechnet China als Vorbild? Für einmal darf das Reich der Mitte, das punkto Tierwohl sonst nie punktet, als Vorreiter gelobt werden. Auch wenn es natürlich überhaupt nicht um das Wohl der Tiere, sondern um Ökologie und Gesundheit geht. Trotzdem: China will den Fleischkonsum (heute 63 kg pro Person) bis 2030 auf sage und schreibe die Hälfte reduzieren. In der gross angelegten Kampagne sollen sogar Hollywood Grössen wie James Cameron und Arnold Schwarzenegger mitmachen. Ob den Worten auch Taten folgen werden?

Wofür sind Nachbarländer nützlich?

Unter anderem, um zu schlachten, was oder wie man es zu Hause nicht darf. Weil Pferde in den USA nicht geschlachtet werden dürfen, werden sie auf langen Transporten nach Kanada oder Mexiko gebracht. Und weil in der Schweiz ein Schächtverbot gilt, wird Halal- oder koscheres Fleisch meist aus Frankreich importiert.

Nächstes Mal: Tierquälerei: ein Problem der unteren Gesellschaftsschichten?

Dichtestress?

Rund 1.5 Millionen Schweine gibt es in der Schweiz auf 7’045 Betrieben. Während die kleinen zunehmend verschwinden, gibt es immer mehr Grossbetriebe (+ 90%  seit 2000) mit über 800 Schweinen. In der Schweiz dürfen maximal 1’500 Mastschweine oder 2’000 Ferkel pro Betrieb gehalten werden. In Deutschland hingegen sind Betriebe mit bis zu 10’000 Tieren keine Seltenheit. Dort gibt es auch keine Obergrenze. Small is beautiful scheint definitiv vorbei zu sein.

Nächstes Mal: Wann ist man ein Mann?

Mutter und Kind gleich nach der Geburt trennen?

Bei Menschen undenkbar – in der „normalen“ Milchkuhhaltung Alltag, leider auch auf Biohöfen. Lässt man die Kälber länger bei ihren Müttern, wird die Trennung immer schwieriger. Und schliesslich ist die Milch der Mutter für die Menschen bestimmt, nicht für den eigenen Nachwuchs. Dieser wird ja, insbesondere bei Stierkälbern, ohnehin bald geschlachtet.

P.S. Der Mensch ist das einzige Säugetier, das noch als Erwachsener Milch trinkt – und sogar artfremde.

Nächstes Mal: Tierisch = negativ?

Na und?

„Katze zu Tode gequält!“ Die Reaktion vieler Menschen bei solchen Meldungen: Tierquälerei! Grauenhaft! Muss streng bestraft werden!

„160’000 Schweine allein heute allein in Deutschland geschlachtet.“ Die Reaktion derselben Menschen: Na und? Es sind eben Schweine, die sind nun mal zum Essen da. Empathie für Nutztiere? Fehlanzeige.

Nächstes Mal: Mutter und Kind gleich nach der Geburt trennen?