Wildtiere

Ausgerechnet die „bösen“ Chinesen?

Um rund ein Drittel ist die Zahl der Afrikanischen Elefanten allein zwischen den Jahren 2007 und 2014 zurückgegangen. Beim ersten fast afrikaweiten Zensus der bedrohten Tiere kamen Forscher zuletzt nur noch auf rund 350’000 Elefanten in 18 afrikanischen Staaten. Wichtigster Grund für das Schrumpfen der Bestände ist die Wilderei, bei der die Tiere wegen ihres wertvollen Elfenbeins getötet werden. Besonders viel Elfenbein wird in China verkauft, wo es als Statussymbol gilt. Doch nun hat China angekündigt, den nationalen Markt für Elfenbein bis Ende 2017 komplett zu verbieten. Der WWF begrüsst die Entscheidung als Meilenstein für den Elefantenschutz. Schön, dass es zwischendurch auch wieder mal gute Nachrichten gibt.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/china-will-elfenbein-handel-verbieten-a-1128117.html

Zypern: Sonne, Meer und Leimruten

Das illegale Vogelmorden auf der bei Touristen so beliebten Sonneninsel Zypern hat gigantische Ausmasse. Allein zwischen April 2016 und Februar 2017 fielen den Wilderern rund 2,5 Millionen Vögel zum Opfer. (Diese Hochrechnung basiert auf auf den von Vogelschutzorganisationen dokumentierten Leimruten und Fangnetz-Vogelopfern). Darunter sind viele europaweit streng geschützte Zugvögel wie Mönchsgrasmücke, Pirol und Rotkehlchen, aber auch bedrohte Arten wie Nachtigall, Gartenrotschwanz und 35 weitere. Singvögel sind überwiegend nachts auf Vogelzug und geraten, angelockt durch elektronische Lockanlagen, in die teils riesigen Fangnetzanlagen. Tagsüber gehen die Zugvögel auf Insektenjagd. Dafür nutzen sie bevorzugt freie, gut anzufliegende Äste in Bäumen und Sträuchern. Die gut sichtbar ausgelegten Leimruten sind scheinbar ideale Ansitzplätze – eine fatale Einschätzung. Von den klebrigen Leimruten gibt es kein Entrinnen. Bei ihren verzweifelten Fluchtversuchen reissen sich die auf den Leim gegangenen Zugvögel ihre Federn aus, verteilen den Leim immer tiefer im Gefieder oder verschlucken ihn. Die Vogelopfer hängen dann meist stundenlang kopfüber in der prallen Sonne bis zur totalen Erschöpfung und einem langsamen qualvollen Tod. Noch lebende Singvögel werden von Vogelwilderen mittels eines Zahnstochers getötet, der durch den zwangsweise geöffneten Schnabel ins Vogelhirn gestossen wird. „Ambelopoulia“, die traditionelle Singvogel-Speise auf Zypern, steht meist nicht mehr auf der Speisekarte der Tavernen und Restaurants. Aber ein kleines Gespräch mit dem Wirt bringt in rund der Hälfte der Fälle einen Treffer, wie als Touristen getarnte Mitarbeiter von Vogelschutz-Organisationen berichten.

http://www.komitee.de/content/aktionen-und-projekte/zypern/vogelfang-auf-zypern

Sex and crime?

Erschreckend offene Bekenntnisse eines leidenschaftlichen Jägers: Paul Parin (1916-2009) war mehrfach ausgezeichneter Psychoanalytiker, Ethnologe, Schriftsteller und Ehrendoktor der Universität Klagenfurt. Und er ging zeitlebens auf die Jagd. In seinem Buch »Die Leidenschaft des Jägers« erzählt Parin eigene Erinnerungen und Geschichten über die Jagd. Ungeschminkt schreibt er über die Leidenschaft, die Passion, das Jagdfieber:
»Seit meinen ersten Jagdabenteuern weiß ich: Jagd eröffnet einen Freiraum für Verbrechen bis zum Mord und für sexuelle Lust, wann und wo immer gejagt wird. … Die wirkliche Jagd ist ohne vorsätzliche Tötung nicht zu haben. Leidenschaftlich Jagende wollen töten.
Jagd ohne Mord ist ein Begriff, der sich selber aufhebt… Und weil es sich um Leidenschaft, Gier, Wollust handelt – um ein Fieber eben – geht es in diesem Buch um sex and crime, um sexuelle Lust und Verbrechen jeder Art, um Mord und Lustmord.«

Einen deutlichen Vorgeschmack liefert bereits die erste Geschichte des Buches mit dem Titel »Der Haselhahn«: Parin erzählt von seinem Jagderlebnis als Dreizehnjähriger, bei dem er einen Haselhahn erlegt:
»Ich drücke ab, höre keinen Knall, spüre den Rückstoß nicht. Ich bin aufgesprungen, blind und taub stehe ich da. Eine unerträgliche Spannung, irgendwo im Unterleib, etwas muss geschehen. Plötzlich löst sich die Spannung, in lustvollen Stößen fließt es mir in die Hose, nein, es ist das, der wunderbare Samenerguss, der erste bei Bewusstsein. Ich stehe aufgerichtet, das Gewehr in der Linken, kann wieder hören und kann sehen. – Dort liegt die Beute, ein Haufen bunter Federn.«

Das letzte Kapitel seiner erschreckend offenen und teils verstörenden Jagd- und Sex-Bekenntnisse trägt den Titel „Ende einer Leidenschaft“. Spätestens hier hofft man als Leser, der Verstand des zweifellos sehr intelligenten Autors siege endlich über die Lust am Töten. Vergebens. Seit er im hohen Alter nicht mehr jagen und fischen könne, sei seine Jagdleidenschfaft erloschen, schreibt Parin. Keine Altersmilde oder Einsicht also, lediglich seine physischen Grenzen zwangen ihn dazu, aufzuhören. Noch im Alter von 79 Jahren kämpfte er während vierzig Minuten einen „spannenden Kampf“ mit einer Regenbogenforelle (die Forelle kämpfte während vierzig Minuten um ihr Leben), bis sie endlich aufgab. Als er den grossen Fisch gelandet hatte, „war die sexuelle Erregung wieder so heftig wie bei dem Dreizehnjährigen nach dem Schuss auf den Haselhahn.“

Parin weiss, dass es biologisch keine Rechtfertigung für die Jagd gibt. Folglich geht es bei der Jagd nicht um biologische oder ökologische Notwendigkeiten. So weist der Autor darauf hin, dass zwar alle erdenklichen Argumente dafür herhalten müssen, um die Jagd von jedem moralischen Makel freizusprechen. »Und doch ist die Jagd der einzige normale Fall, bei dem das Töten zum Vergnügen wird…«

Der spanische Philosoph José Ortega y Gasset hat dazu gesagt: Die größte Gefahr für das Bestehen der Jagd ist die Vernunft.

Parin Paul, Die Leidenschaft des Jägers, Europäische Verlagsanstalt/Sabine Groenewold Verlage, Hamburg 2003, ISBN 3-434-50561-X

http://www.abschaffung-der-jagd.de/fakten/sexcrime/index.html

Ohne Jäger kein Wild?

Einen dümmeren Spruch hat wohl noch selten jemand auf einen Autokleber gedruckt. Den Gegenbeweis liefert der Kanton Genf, der seit 1974 ein Jagdverbot für Hobby-Jäger kennt. Seit über vierzig Jahren gibt es dort kein Halali mit Jagdhörnern, kein Jägerlatein am Feuer und keine Jagdtrophäen mehr – alles kein Verlust für die Menschheit. Vor allem aber auch keine von Amateurjägern angeschossenen und verletzten Wildtiere. Aufgrund des hohen Jagddrucks im umliegenden Frankreich und Kanton Waadt suchen Wildtiere manchmal Asyl in Genf und schwimmen dazu sogar über die Rhône. Nun gibt es natürlich auch in Genf Wildschweinschäden an den Kulturen, allerdings in bescheidenem Rahmen. 2014 beliefen sie sich auf 17’830 Franken. Für die Dezimierung der Wildschweine durch professionelle Wildhüter wird rund eine Vollzeitstelle aufgewendet. In den letzten 10 Jahren wurden durchschnittlich 327 Wildschweine pro Jahr geschossen, 2014 waren es 176 Exemplare.

Die Genfer leben gut mit dem Jagdverbot. 2004 sprachen sich in einer Umfrage in der Bevölkerung knapp 90 % gegen eine Aufhebung des Jagdverbots aus. 2009 kam es im Kantonsrat zu einem Vorstoss zur Wiedereinführung der Jagd. Mit 71 zu 5 Stimmen bei 6 Enthaltungen wurde dem Ansinnen eine klare Abfuhr erteilt. Genf ist punkto Ökologie ein Pionier-Kanton: 10 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen gelten als ökologische Ausgleichsflächen für mehr Biodiversität. Davon profitieren auch Rebhühner, Greifvögel und Beutegreifer wie Marder und Fuchs.

P.S. Im Schweizer Nationalpark im Engadin wird sogar seit 100 Jahren nicht mehr gejagt und dort ist z. B. der Gämsenbestand seit 1920 konstant um die 1350 Stück. Auch der Fuchs wird nicht gejagt und entgegen den Prognosen aus Jägerkreisen ist keines seiner Beutetiere ausgestorben. Der Wechsel von Kuh- und Schafweiden zur Hirschweide führte zu einer komplett neuen Artenzusammensetzung der Vegetation und einer Verdoppelung der Artenvielfalt. Auch ohne Jagd habe es nicht plötzlich zu viele Füchse, Hasen oder Vögel, sagt Nationalparkdirektor und Wildbiologe Heinrich Haller. Die Erfahrung zeige, dass man die Natur sich selber überlassen könne.

https://wildbeimwild.com/2015/08/18/genf/

Hummer nur noch betäubt in den Kochtopf? Oder doch nicht?

200 Tonnen Hummer landen allein in der kleinen Schweiz jährlich auf Gourmet-Tellern. Bis sie dort sind, erleben sie wahre Torturen. Teils monatelang ohne Nahrung, mit abgebrochenen Fühlern und zugeklebten Scheren warten sie in Kühlboxen zusammengepfercht auf ihren langsamen Tod im siedenden Wasser. All das soll auch weiterhin erlaubt sein. Immerhin will der Entwurf für die Verordnungsänderung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) das Leiden mindestens ein bisschen reduzieren: Die Hummer dürfen beim Transport nicht mehr direkt auf Eis gepackt und müssen im Wasser gehalten werden. Und sie sollen betäubt werden, bevor sie im siedenden Wasser sterben. Dies soll durch Elektroschocks möglich sein, was allerdings zusätzliche Technik in der Küche nötig macht. Das BLV sieht hier ein Schlupfloch vor: Wo die Betäubung nicht möglich sei, müsse alles Notwendige unternommen werden, um Schmerzen, Leiden und Angst auf ein Minimum zu reduzieren, heisst es im Entwurf. Diese Rücksicht ist verständlich, handelt es sich bei Hummer servierenden Restaurants doch meistens um finanziell schlecht dastehende Gassenküchen, die sich eine weitere Investition fürs Tierwohl kaum leisten können…

Haifischflossensuppe, gibt’s das noch?

Leider ja. Für die asiatische Küche werden jährlich geschätzte 70 Millionen Haie gefangen. Meist werden ihnen die Flossen noch auf den Schiffen bei lebendigem Leib abgeschnitten, bevor die verstümmelten Tiere als Abfall über Bord geworfen werden, wo sie qualvoll sterben. Zudem ist bekannt, dass oft Delfinfleisch an die Angelhaken gehängt wird. Die Organisation Ocean Care schätzt, dass allein in Peru jährlich 15’000 Delfine dafür getötet werden. https://www.oceancare.org/de/projekteundkampagnen/kampagnen/delphinjagdperu/

P.S. Der Schweizer Ständerat lehnte im Juni 2015 ein Importverbot für Haifischflossen ab.

Nächstes Mal: Millionenfacher Kindermord?

Wolfsschutz zu teuer?

Das Wolfskonzept kostet den Bund und die Kantone rund 3.3 Millionen Franken jährlich: 100’000 Franken Entschädigungen für gerissene Nutztiere, 200’000 für die Überwachung der Wölfe und 3 Millionen für den Herdenschutz. 3.3 Millionen Franken sind nicht nichts. Aber relativ wenig, verglichen mit den Subventionen für die Schafhaltung: die kosten uns nämlich rund 40 Millionen Franken pro Jahr, 12x mehr also. (http://www.nzz.ch/schweiz/aktuelle-themen/wolf-in-der-schweiz-geliebt-und-gehasst-ld.5303)

Nächstes Mal: Sterbetourismus?

Vogelschutz für ägyptische Kochtöpfe?

Auf einer Länge von 700 Kilometern, vom Gaza-Streifen bis zur Grenze zu Libyen, stehen an Ägyptens Küsten Netze zum Vogelfang. Gefährdete und bei uns geschützte Vogelarten werden hier lebend gefangen. Dann werden ihnen Schwanz- und Flügelfedern ausgerissen, damit sie nicht mehr fliegen können. Auf den Märkten werden sie lebend oder tot verkauft. Ein einziges Land macht so die Anstrengungen vieler anderer Länder im Vogelschutz zunichte (http://www.swr.de/natuerlich/archiv/vogeljagd/-/id=13431324/did=12112048/nid=13431324/ket8ig/index.html). Wer sich zu Recht darüber empört, darf aber auch bei unserem Umgang mit den Nutztieren in der Massentierhaltung nicht wegsehen und muss sein eigenes Essverhalten hinterfragen.

Nächstes Mal: Wolfsschutz zu teuer?

#TIERLOS  @TIERLOS

Wie alt wird ein Hummer?

An die hundert Jahre, vorausgesetzt er landet nicht im Kochtopf eines Nobelrestaurants. Wie es den 130’000 jährlich lebend in die Schweiz importierten Hummern ergeht, schreibt die grüne Politikerin Maya Graf in ihrer Motion vom September 2015 und verlangt ein Importverbot für lebende Hummer, Langusten und Krabben. Bravo! (http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20153860) Nun wird geprüft, ob ein Verbot des Lebendtransports und die Tötungsmethode in kochendem Wasser möglich ist. Dranbleiben und registrieren, welche Parlamentarier das Vorhaben unterstützen. Und welche nicht.

Nächstes Mal: Tierversuche als Irrweg?

Ohne Jäger kein Wild?

Es darf gelacht werden.

Am Freitag: Genfer viel tierliebender als St.Galler?